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Naturnahe und erlebnisorientierte Gestaltung von Kinderspielplätzen in der Gemeinde Edewecht

Mittwoch, 27. Oktober 1999 von Uwe He-Wi

Für die Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN stelle ich folgenden Antrag als Beschlussvorschlag für den mit der Bitte, ihn im zuständigen Fachausschuss für Frauen, Jugend und Familie zu beraten:

Im Rahmen der Förderung und des Ausbaus von Angeboten für Kinder in der Gemeinde Edewecht beschließt der Gemeinderat ein Programm zur naturnahen und erlebnisorientierten Gestaltung von Kinderspielplätzen. Im Haushaltsjahr 2000 wird für dieses Programm ein Betrag von 100.000 DM zusätzlich zur Verfügung gestellt.

Begründung:

Den gesetzlichen Auflagen entsprechend hält die Gemeinde Edewecht wohnortnah Spielplätze für Kinder bereit. Diese sind in der Regel mit traditionellen Spielgeräten ausgestattet. Darüberhinaus finden die Kinder auf den Spielplätzen selten Materialien oder Gestaltungsräume, die besonders geeignet wären, die Fantasie und Kreativität der Kinder anzuregen. Allenfalls die Bepflanzung an den älteren Einrichtungen kann (allerdings kaum bestimmungsgemäß) teilweise diese Funktion übernehmen. So zeigt es sich, dass insbesondere neu angelegte Spielplätze nicht in dem erwünschten Umfang frequentiert werden. Da zudem häufig Familien auch in ihren Gärten über konfektionierte Spielgeräte verfügen (Schaukeln u.a.), fehlt für viele Kinder der Anreiz zur Nutzung der gemeindlichen Anlagen. Stattdessen erobern sich die Kinder Freiräume in der weiteren natürlichen Umgebung, um ihrem Drang nach Erlebnis und Abenteuer gerecht zu werden.

Keinesfalls sollen Spielplätze die Funktion haben, Spielräume von Kindern zu reglementieren oder deren Bewegungsraum einzuschränken. Insofern wird immer nur ein Teil des kindlichen Spiel-erlebens auf diesen Spielplätzen stattfinden. Diese Plätze sollten jedoch trotzdem eine sich an den Spielbedürfnissen und pädagogischen Erfordernissen orientierende Ausstattung haben. Zentrale Bedeutung in diesem Zusammenhang haben dabei die Ermöglichung von Natur- und Umwelterfahrungen und die Schaffung eines kreativen Anregungsmilieus im Sinnes eines erlebnisorientierten Erfahrungsraums.

Ein solches Konzept ist nicht zu verwechseln mit der Einrichtung eines pädagogisch betreuten Abenteuerspielplatzes. Beim naturnahen und erlebnisorientierten Kinderspielplatz steht vielmehr im Vordergrund, durch Bepflanzung und Bereitstellung von natürlichen Spielmaterialien auch jüngeren Kindern die Auseinandersetzung mit der Natur und mit ihren eigenen Fähigkeiten in selbständiger Weise zu ermöglichen. Das Experimentieren mit „Wasserläufen“, das Errichten eigener „Verstecke“, das Einbeziehen von Ästen, Baumstämmen und Steinen in das Spielszenario mögen einige wenige Beispiele sein. Wenn Kinder „auf eigenem Wege“ spielen, wird manche vorgefertige Wippe und manche eingezäunte Sandkiste überflüssig. Die Schaffung von Erdhügeln, die Integration von Bepflanzung in die Spielerfahrung von Kindern (Kletterbäume, Sträucher zum Verstecken) sind nicht unbedingt aufwendiger oder pflegeintensiver als traditionelle Spielplätze.

Auf dem Weg zu einer Umgestaltung von Spielplätzen sollte sich der Fachausschuss zunächst mit verschiedenen Konzepten von natur- und erlebnisorientierter Spielplatzgestaltung auseinandersetzen. Dazu wären (vor allem pädagogische) Fachleute einzuladen. In einem zweiten Schritt sollten in verschiedenen Gemeindeteilen ausgewählt werden, die in einem Modellprojekt umgestaltet werden. Nach einer ersten Erprobungsphase sollten die Erfahrungen mit einem solchen Konzept ausgewertet und weitere Schritte eingeleitet werden.

Neu anzulegende Spielplätze sollten von vornherein entsprechend der veränderten Konzeption ausgestattet werden.

Zur Durchführung dieses Programms sind zunächst im Haushalt des nächsten Jahres 100.000 DM zusätzlich bereitzustellen. Die Beschlussfassung über weitere Finanzmittel, die zur Fortführung des Programms in den Folgejahren notwendig sein können, erfolgt im Rahmen der Planungen für das jeweilige Haushaltsjahr.

Im Rahmen der Begründung wäre noch manche theoretische Ausführung zur Funktion des Spiels bei Kindern zu entfalten, wäre der präventive Ansatz von kindgerechten Spielräumen zu betonen und vieles mehr. Erläuterungen dazu sollen im Zuge der Antragsberatung ggf. mündlich eingebracht werden.

Fraktion BÜNDNIS 90 / DIE GRÜNEN

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