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„Uli Hoeneß von Edewecht“

Dienstag, 17. Oktober 2000 von Uwe M.

GRÜNE bringen CDU um die -Debatte

Eine kleine Überraschung gab es in der letzten Ratssitzung in am 16. Oktober. Auf der sehr kurzen Tagesordnung stand der Antrag der Edewechter GRÜNEN, das Gemeindewappen zu ändern. Statt einer Bockwindmühle sollte dort fortan eine abgebildet sein. (Den Antrag finden sie hinetr diesem Artikel.) Bereits im Vorfeld hatten sich im Verwaltungsausschuss CDU und SPD gegen diesen Antrag ausgesprochen. Und die Nordwest-Zeitung hatte sogar eine Passantenbefragung zu dieser Idee durchgeführt.

In der Ratssitzung nun begründete der GRÜNE Ratsherr Uwe Martens als Antragsteller den Vorschlag. Er wies darauf hin, dass die teure Mühle (die immerhin nahezu eine halbe Million DM gekostet hat) nun auch angemessen in das Marketing und die Außendarstellung der Gemeinde eingefügt werden müsse. Für die Mühle müsse außerdem ein Nutzungskonzept erstellt werden. Schon vor einigen Monaten hätten die GRÜNEN vorgeschlagen, den Kulturausschuss mit dieser Frage zu befassen – bislang sei aber noch nichts geschehen.

Nach diesen Ausführungen kam dann die Überraschung: Mit der Begründung, die große Koalition habe sich ja bereits vorher gegen die Wappenänderung ausgesprochen, so dass eine Abstimmung keinen Sinn mehr mache, zog Martens den Antrag zurück. Nicht, ohne zuvor auf den ohnehin eher symbolischen Wert dieses Vorschlages zu verweisen.

Der Bürgermeister stellte den neuen Sachverhalt fest und schloss damit die Debatte zu diesem Tagesordnungspunkt, ohne dass die anderen Parteien ihre Redebeiträge zu Gehör bringen konnten. Die Ratssitzung war dann nach insgesamt gut 20 Minuten beendet, da weitere Tagesordnungspunkte schnell und ohne Aussprache abgehandelt waren.

Im Anschluss beklagte sich der CDU-Fraktionschef Romanowski: Wie man denn den einzigen Punkt mit Diskussionsstoff durch das Zurückziehen des Antrages platzen lassen könne. „Uli Hoeneß von Edewecht“ – so titulierte der Landwirt den GRÜNEN Uwe Martens in Anspielung auf die Daum-Affäre. Was ein völlig neues Licht auf die „Kokser“-Windmühle in Edewecht wirft …

Antrag von Uwe Martens (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) vom 14. Juli 2000 an den Rat der Gemeinde Edewecht:

Neugestaltung des Wappens der Gemeinde Edewecht – Änderung der Hauptsatzung § 2 (1)

Der Gemeinderat möge beschließen:

Das Wappen der Gemeinde Edewecht wird neu gestaltet. Es soll zukünftig statt einer Bockwindmühle eine Kokerwindmühle des Typs „Holländische Jungfer“ tragen. § 2 (1) „Hoheitszeichen, Dienstsiegel“ der Hauptsatzung der Gemeinde Edewecht wird entsprechend neu formuliert.

Begründung:

Auf Beschluss des Gemeinderates vom 29. Mai 2000 errichtet die Gemeinde Edewecht auf einer Grundstücksfläche des Hartmut Heinje an der Hauptstraße den Nachbau einer Kokerwindmühle. Für diesen Bau werden in erheblichem Umfang öffentliche Mittel aufgebracht. Zwar liegt bisher kein Nutzungskonzept für das Bauwerk vor; die Äußerungen des Bürgermeisters und anderer Beteiligter sowie Presseveröffentlichungen legen jedoch die Vermutung nahe, dass es sich hierbei um eine Art Wahrzeichen für die Gemeinde Edewecht handelt. Die zentrale Lage, die Eigentumsverhältnisse und die Form der Finanzierung unterstreichen diese Vermutung.

Auf die Gemeinde Edewecht kommt damit die verantwortungsvolle Aufgabe zu, diesen historischen Nachbau einer alten Edewechter Mühle in seiner Funktion als Wahrzeichen der Gemeinde in den Mittelpunkt des öffentlichen Bewusstseins zu rücken. Im Sinne einer effektiven Verwendung der öffentlichen Mittel muss es Ziel der Gemeinde sein, dass Edwecht mit dieser Windmühle identifiziert wird, dass Mühle und Gemeinde in der Außenwahrnehmung geradezu eine Einheit bilden.

Diesem Ansinnen steht allerdings das derzeitige Wappen der Gemeinde Edewecht entgegen. Bekanntermaßen zeigt das Wappen eine Bockwindmühle. Sicherlich kennt der Mühlenfachkundige die Entwicklungslinie von der Bockwindmühle zur Kokerwindmühle. Dem Laien jedoch erschließt sich dieser Zusammenhang nicht. Eine Gemeinde Edewecht, die als Wahrzeichen die eine, als Wappen jedoch die vermeintlich ganz andere Mühle zeigt, wird hier kein klares Erscheinungsbild nach außen geben, sondern vielmehr Irritationen auslösen.

Nach wie vor halte ich die Beschlussfassung über den Mühlenbau für übereilt, den Standort für falsch. Da aber die Ratsmehrheit sich für den Bau der Kokerwindmühle entschieden hat, muss nun diesem Schritt auch der nächste folgen. Es sollte unser gemeinsames Anliegen sein, diese Mühle nicht nur zum Wahrzeichen, sondern auch zum „Wappensymbol“ der Gemeinde zu machen – wie dieses in der Berichterstattung der NWZ vom 13. Juli bereits vorweggenommen wurde.

Die Abbildung einer Kokerwindmühle des Typs „Holländische Jungfer“ im Wappen der Gemeinde ist also eine konsequente Fortsetzung auf dem Weg, Edewecht in seiner historischen Identität als „Mühlengemeinde“ darzustellen. Das alte Wappen, dass die Gemeinde seit 1934 begleitet, wird damit nicht vergessen. So wie die Kokerwindmühle in einer Entwicklungslinie mit der Bockwindmühle steht, kann auch die Änderung des Wappens nicht als Aufgabe des alten, sondern vielmehr als dessen Weiterentwicklung verstanden werden.

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