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Vertreter der Hauptschule in Osterscheps lehnen Vorschläge der GRÜNEN ab

Mittwoch, 20. Oktober 1999 von Uwe M.

Veranstaltung der GRÜNEN zur Schulentwicklung in Edewecht:

Emotionale Debatte – keine überzeugenden Sachargumente der Gegner

Mehr als 60 Personen konnte Egbert Kosmis, Sprecher der Edewechter GRÜNEN am 16. November bei einer Veranstaltung der Partei in der Gaststätte Nemeyer in Osterscheps begrüßen. Thema des Abends waren die Vorschläge der GRÜNEN zur Neugestaltung der Edewechter Schullandschaft. Äußerungen besonders aus dem Bereich der Grund- und Hauptschule Osterscheps deuteten bereits im Vorfeld darauf hin, dass das GRÜNE Konzept nicht unumstritten sein würde.

Veranstaltung der GRÜNEN zur Schulentwicklung in Edewecht

Veranstaltung der GRÜNEN zur Schulentwicklung in Edewecht

Und so hatten sich Eltern, SchülerInnen und Lehrkräfte bereits eine Stunde vor der Veranstaltung in der Schule getroffen, um sich auf die Diskussionsrunde vorzubereiten. SchülerInnen der Hauptschule Osterscheps hatten Transparente gemalt: „Wir wollen unsere Schule im Grünen behalten“.

 

Uwe Martens stellt den Antrag der GRÜNEN vor

Zu Beginn der Veranstaltung stellte Ratsmitglied Uwe Martens, den von den GRÜNEN eingebrachten Antrag vor. (Den ausführlichen Antragstext finden Sie hier.) Er verwies auf die drohende Raumnot an fast allen Edewechter Schulen durch den ungebremsten Bauboom in der Gemeinde. Die GRÜNEN wollen nun die notwendigen Investitionen in Baumaßnahmen so gestalten, dass gleichzeitig die Voraussetzungen für eine Verbesserung des Bildungsangebotes Edewecht geschaffen werden. Die GRÜNEN möchten in Edewecht eine Kooperative Gesamtschule (KGS) einrichten. (Mehr dazu: „Was ist eine KGS?“ und „KGS für Edewecht“ im Lwenzahn 65.) Damit auch alle HauptschülerInnen davon profitieren, sollen die HauptschülerInnen aus Osterscheps zukünftig am Schulzentrum Breeweg unterrichtet werden. Stattdessen sollen die Schepser Grundschüler auch die Zeit der Orientierungsstufe in Osterscheps verbringen. Anhand von konkreten Zahlen für die Schuljahre2001/02 bis 2003/04 zeigte Uwe Martens am Beispiel auf, welche Auswirkungen dieses Konzept in Bezug auf Schülerzahlen und Klassengrößen hat.

Ein weiterer Vorschlag der GRÜNEN sah vor, die Schulkindergärten Scheps und Friedrichsfehn an nur einem Standort in Edewecht zusammenzufassen. Da aber der Raumgewinn dieser Lösung minimal ist, die Nachteile für die Kinder jedoch erheblich, erklärte Uwe Martens bereits bei der Vorstellung des Antrages, dass die GRÜNEN diesen Weg nicht weiterverfolgen.

Vertreter aus Rastede und Ocholt berichten von positiven Erfahrungen

Im Anschluß an diese Einführung berichtete Gabi Onnen, Vorsitzende des Schulelternrates der KGS Rastede, von den positiven Erfahrungen mit dieser Schulform. Sie verwies insbesondere auf das erhebliche breitere Lernangebot und auf die angelegte Durchlässigkeit zwischen den einzelnen Schulformen bei diesem Schultyp.

Von den Ocholter Erfahrungen, eine Grundschule und eine Orientierungsstufe in einer relativ kleinen Einrichtung unter einem Dach zu haben, berichtete der dortige Schulleiter Rainer Scheuch. Diese Lösung, vor einigen Jahren als Notlösung begonnen, hat sich mittlerweile als sehr guter Weg im Interesse der Kinder herausgestellt.

Nach den Vorträgen meldeten sich die ZuhörerInnen zu Wort. Insbesondere SchülerInnen und Eltern der Hauptschule Osterscheps, deren Schulleiterin und der Schulleiter der von den GRÜNEN Vorschlägen ebenfalls betroffenen Orientierungsstufe in Edewecht machten ihre ablehnende Haltung deutlich – in teilweise sehr emotional und polemisch geprägten Debattenbeiträgen. Durchgängig stellten die RednerInnen fest, ein Schulwechsel für die Osterschepser Grundschüler nach der 4. Klasse sei sehr sinnvoll, während für die Hauptschüler die kleine, überschaubare Schule die bessere Lösung sei. Immer wieder wurde bemängelt, dass nicht vor derEntwicklung eines solchen Konzeptes der Kontakt mit den Schulen gesucht worden sei. Auch der Vorschlag, die GRÜNEN möchten doch die OS-Schüler und die Hauptschüler befragen, ob sie lieber in Scheps geblieben wären bzw. ob sie gern an den Breeweg möchten, wurde mehrfach geäußert. Überfüllte Schulbusse, vermeintlicher Drogenhandel und Gewalt an der Edewechter OS und an der HRS Edewecht – kaum ein Argument blieb unerwähnt.

GRÜNE stellen sich der Debatte

Egbert Kosmis, Moderator des Abends, und Uwe Martens wiesen darauf hin, dass die GRÜNEN gerade nicht mit ihren Vorstellungen hinter dem Berg halten, diese vielmehr an diesem Abend zur Diskussion stellten und damit den BürgerInnen die Möglichkeit bieten, sich zu diesen Fragen zu äußern. Es gehe darum, gemeinsam über die zukünftige Entwicklung durchaus aus kontrovers nachzudenken. Während die anderen Parteien den Weg der nichtöffentlichen Beratung wählten, scheuten sich die GRÜNEN nicht, ihre Vorschläge einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Ein Zuhörer vermutete, eine sachliche Diskussion sei gerade vor Ort in Osterscheps gar nicht möglich, da die Stimmung sehr aufgeheizt sei. Es gäbe offenbar gar keine Bereitschaft, sich konstruktiv mit dem Konzept auseinanderzusetzen. Ein weiterer Gast sagte, hier würden Schüler dazu benutzt, eine Bestandsdiskussion zu führen, obwohl doch das Ansinnen der GRÜNEN sei, eine Zukunftsdiskussion zu eröffnen.

In der Tat war festzustellen, dass die betroffenen VertreterInnen der Osterschepser Schule, aber auch der OS in Edewecht sachlichen Argumenten gegenüber nicht zugänglich waren. Auch kamen von ihnen keine Sachargumente – vielmehr hätten viele der vorgebrachten Gründe genausogut das GRÜNE Konzept untermauern können – je nach Sichtweise.

CDU-Vertreter: „Wir wollen keine KGS“ – SPD schweigt

Wolfgang Romanowski, Fraktionsvorsitzender der CDU im Gemeinderat, versuchte die Stimmung für die eigene Partei zu nutzen, indem er erklärte: „Es bleibt alles so wie es ist. Die CDU will keine KGS in Edewecht.“ Er erntete allerdings für diese Bemerkung auch Widerspruch, da deutlich wurde, wie wenig fundiert diese Entscheidung der CDU ist – ihr geht es offenbar allein um die Befriedigung des Wählerpotentials in Scheps. Als offenkundig wurde, dass die CDU en weiteres Mal keine generelle Lösung des Raumproblems der Schulen anstrebt, und außerdem die weitere Beratung nichtöffentlich führen will, wurde auch seitens der Schepser Bürgern mehr Transparenz eingefordert.

Die SPD-Fraktion, die auch mit zwei Ratsmitgliedern anwesend war, beteiligte sich nicht an der Diskussion. Gibt es bei den Sozialdemokraten keine Position zu den GRÜNEN Vorstellungen? Oder hat man sich angesichts der Stimmung im Saal nicht getraut, Farbe zu bekennen?

Was ist nun das Fazit des Abends? Eines ist klar: Es sind keine Sachargumente vorgebracht worden, die die GRÜNEN zu einem Rückzieher veranlassen müssten. Einzig in der Frage der Schulkindergärten ist eine Korrektur vorzunehmen – dies hatte Uwe Martens aber auch zu Beginn des Abends schon eingeräumt. Sicherlich war das Publikum bei dieser Veranstaltung nicht repräsentativ. Die Schüler und Schülerinnen und auch die Eltern waren offenbar sehr einseitig auf diesen Abend vorbereitet worden. Grundschuleltern oder andere Betroffene zum Beispiel aus anderen Gemeindeteilen haben sich an der Diskussion nicht beteiligt: sie sind dem Abend ferngeblieben. Dieses verzerrte Meinungsbild macht die Sache nicht einfacher – zumal die CDU und auch die SPD sich an dem vermeintlichen Verriss der GRÜNEN Vorschläge weiden werden. Sie verkennen dabei, dass wir ein gemeinsames Interesse haben müssten, das Bildungsangebot in der stark wachsenden Gemeinde Edewecht zu verbessern.

Kein Anlass zur Änderung der GRÜNEN Position

Die GRÜNEN bleiben also dabei: Die Einrichtung einer KGS, die sich gerade in Verbindung mit den gegenwärtigen Raumsorgen sinnvoll voranbringen lässt, ist eine wünschenswerte Perspektive für die Gemeinde. Zu überlegen ist, ob dies eventuell auch ohne die positive Unterstützung der Schepser Schule umgesetzt werden kann. Das Ergebnis dürfte sein, dass in wenigen Jahren der Hauptschule in Osterscheps die Schüler wegbleiben – weil eine KGS am Breeweg mehr Bildungschancen bietet. Die Schepser haben eine gute Möglichkeit zur Mitgestaltung verpasst. Jetzt aber werden sie diese Auseinandersetzung zunächst als ihren Erfolg feiern. Ihren Schülern haben sie damit keinen Gefallen getan.

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