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Das Volk murrt! Was hat Heinz bloß falsch gemacht?

Montag, 17. April 2000 von Uwe M.

Widerstand gegen Bebauungspläne formiert sich – Gesamtplanung lässt weiter auf sich warten

Wer in den letzten Monaten die Edewechter Politik beobachtet hat, wird es längst gemerkt haben: Es ist nicht mehr so wie früher. Da will die regierende CDU unter der Führung des jahrzehnte schweren Bürgermeisters und mit kräftiger Unterstützung der SPD dem Ort eine Entlastungsstraße schenken – und schon organisieren sich die betroffenen Anlieger in einer Initiative „Ortswesten“. Und nun regt sich der Widerstand auch im Osten unserer beschaulichen Gemeinde …

Der Bürgerinitiative Ortswesten ist es gelungen, in kürzester Zeit die Planungen einer innerörtlichen westlichen Entlastungsstraße – zumindest zunächst einmal – im Sande verlaufen zu lassen. Bürgermeister Heinz zu Jührden (CDU) verkündete offiziell in der letzten Ratssitzung: Die Straße wird nicht gebaut. Bis zuletzt konnten die Bedenken bei en Anliegern nicht ausgeräumt werden, dass hier nicht eine Entlastung im kleinen Umfang, sondern eine Umgehungsstraße größeren Ausmaßes durch die Hintertür realisiert werden sollte. Die Folge war eine gut organisierte und sehr planmäßig und erfolgreich arbeitende Bürgerinitiative.

VertreterInnen dieser Initiative waren es auch, die in der EinwohnerInnenfragestunde des Rates mit vielen, sehr engagiert vorgetragenen Fragen ihre Sorgen zum Ausdruck gebracht haben. Und dabei wurde deutlich: Ruhe wird unter den Bürgern des Ortswestens so schnell nicht einkehren. Denn noch immer ungelöst ist das Problem des rasant zunehmenden Lieferverkehrs der in der Nähe ansässigen Baumschule. Auch hier fordern die Anlieger energisch ein Eingreifen der Politik.

Aber auch im Osten rumort es. Die Anlieger des neu geplanten Baugebietes am Baumschulenweg haben sich jetzt als „Interessengemeinschaft“ zu Wort gemeldet. Sie befürchten massive Einwirkungen auf die Verkehrssituation (etwa in Wallstraße und Rhododendronstraße), wenn wie geplant auf dieser Fläche nicht nur Wohnhäuser entstehen, sondern entlang der Hauptstraße auch Geschäfte. Sehr eindringlich weisen sie auf mögliche Gefährdungen für Fußgänger und Fahrradfahrer hin und fordern, diese Bedenken in der weiteren Planung zu berücksichtigen.

Nicht nur das St. Florians-Prinzip mobilisiert die Betroffenen („Baut die Straße woanders, nicht vor meinem Haus“). Wer genau hinschaut wird bemerken, dass der Widerstand der Edewechter viel tiefer geht. Längst ist klar: Die gravierenden Verkehrsprobleme des Ortes sind die Folgen einer Fehlplanung in der Bauleitplanung der letzten Jahre. Das „Wachstum-um-jeden-Preis“ der CDU hat die logischen Folgen dieser Entwicklung immer ausgeblendet – bis sie nun nicht mehr zu leugnen sind. Nun ist guter Rat teuer – im wahrsten Sinne des Wortes. Für viele Millionen wird es vielleicht eine Ortsumgehung geben, und das Vertrauen der Edewechter in die Planungskompetenz von Politik und Verwaltung ist erschüttert.

Die BürgerInnen sind nicht mehr bereit, diese Entwicklung mitzumachen und die Folgen klaglos zu tragen. Sicher wird es bald auch eine Initiative geben, die sich gegen die geplante Umgehungsstraße auf der Ostseite Edewechts (von der Industriestraße nach Portsloge) wehrt.

Nicht gegen eine vernünftige Bau- und Verkehrspolitik wenden sich die Edewechter – aber gegen die planlose Vorgehensweise, die von der Hand in den Mund über Baugebiete und Straßen beschließt, ohne die Folgen zu bedenken. Dringend notwendig ist eine Gesamtplanung, die die Persepektiven der Ortsentwicklung in allen Bereichen in den nächsten Jahren aufzeigt. Doch dazu sind Mehrheitsfraktionen und Verwaltungsspitze nicht willens – oder nicht in der Lage.

Bürgermeister zu Jührden hat derweil andere Sorgen. Edewecht soll eine Mühle bekommen, eine Kokerwindmühle, wie sie einst an der Straße „Im Vieh“ stand. Aber wo soll sie hin? Und wird sie noch rechtzeitg zum Jubiläum fertig sein? Wie klein nehmen sich dagegen doch die Nöte des einfachen Volkes aus, die sich wegen ein paar Autos so anstellen! Der seit mehr als drei Jahrzehnten regierende Ortsfürst will sich ein Denkmal setzen – was hat er nicht alles für Edewecht getan! Warum nur ist das murrende Volk in letzter Zeit so undankbar geworden?

Viel Wind um den Bürgermeister

Samstag, 01. April 2000 von Uwe M.

Edewecht soll Kokerwindmühle erhalten – späte Reue?

(mt) Seit langem wird davon berichtet: Heinz zu Jührden (79), CDU-Bürgermeister in Edewecht, seit über 30 Jahren im Amt, will, dass sich im Ort wieder Windmühlenflügel drehen – so wie bis 1904 an der Straße „Im Vieh“. Durchaus ein beachtenswerter Vorschlag – wenn die Sache nicht doch ein paar Haken hätte …

So behauptete zu Jührden noch vor einigen Monaten, die Gemeinde hätte mit dem Mühlenbau hinsichtlich der Finanzierung nichts zu tun. Er persönlich würde sich um Sponsoren und Spender kümmern, und er habe auch bereits einige Zusagen.

Unklar blieb, in welchem Zeitraum sich der Bürgermeister die Verwirklichung seines Planes vorstellte. Sollte es doch zur 850-Jahr-Feier des Ortes sein? Spät ließ er die Katze aus dem Sack: Noch in diesem Jahr, auch im Zusammenhang mit den Feierlichkeiten, aber wohl nicht mehr rechtzeitig zur Festwoche soll Kokerwindmühle errichtet werden – ein Originalnachbau der Mühle, die damals in Edewecht stand und die nun im Museumsdorf in Cloppenburg zu besichtigen ist.

Von einer Finanzierung nur durch Spenden hingegen ist nicht mehr die Rede. Vielmehr soll jetzt die Gemeinde Edewecht als Bauherrin auftreten – und eine 50%-Förderung der Europäischen Union kassieren. Weitere 30% sollen sich Landkreis und Gemeinde teilen. Jede Menge öffentliche Gelder also für die Pläne des Bürgermeisters – lediglich die restlichen 20% stammen von Spendern.

Einen Standort? Nein, den gibt es für die Mühle noch nicht. Der historische Standort an der Straße „Im Vieh“ ist weder möglich noch sinnvoll. Irgendwo an der Hauptstraße wird sie bald stehen. Ob dafür noch Grunderwerb erfolgen muss, wie es mit der Bauleitplanung aussieht: das alles bleibt erst einmal im Dunkeln. Hauptsache, Edewecht bekommt eine Mühle.

Die Kosten? Nein, die stehen noch nicht fest. Ist ja auch alles so überraschend und kurzfristig. Also hat der Verwaltungsausschuss erst einmal beschlossen, diese Mühle auf jeden Fall zu bauen. Wann, wo und für wieviel Geld – ach, das sind doch keine wirklichen Fragen angesichts dieses hehren Zieles, Edewecht ein Stück seiner Geschichte wiederzugeben!

Ja, stimmt. Es ist der gleiche Bürgermeister, unter dessen Regie vor einigen Jahren der alte Bahnhof abgerissen wurde (dieses historische Gebäude, das jetzt auf dem Plakat zur 850-Jahr-Feier zu sehen ist – Wiederaufbau ungewiss). Der gleiche Bürgermeister, der für die Bebauung historisch einmaliger und unwiederbringlicher Eschflächen im Ort gesorgt hat. Der Bürgermeister, der das Ende vieler alter Bäume in Edewecht eingeläutet hat. Ja, auch derjenige, der den wirtschaftlichen Aufschwung nach Edewecht holte. Aber nicht Aufschwung um jeden Preis: moderne Windmühlen in Edewecht, nämlich Windenergieanlagen – die hätte er am liebsten verhindert.

Nun mögen manche meinen, Heinz zu Jührden sei von der Müllerei besessen und wolle sich deshalb mit der Kokerwindmühle ein Denkmal setzen. Schließlich hat er schon vor Jahren auch auf seinem Landsitz, dem Forsthof Diana („Ponderosa“) eine Mühle gebaut. Vielleicht ist es aber auch die späte Einsicht eines Politikers, dass man einem Dorf bei aller Modernität nicht seine historische Identität stehlen darf. Späte Reue eines Politikers also, der sich langsam auf seinen Rückzug aus der Politik vorbereitet? Finanziert jedenfalls aus einem EU-Programm, das sinnigerweise heißt: „Entwicklung typischer Landschaften ländlicher Räume“. Auch über die Mühle hinaus gäbe es genug Chancen, dafür etwas zu tun. Und die hätte es auch in der Vergangenheit gegeben.

Kritik an dieser schönen Mühle passt nicht in das harmonische Jubiläumsbild. So werden wir dem Weihrauch aus den Mündern von CDU und SPD bei der Mühleneinweihung lauschen – viel Wind um unseren Bürgermeister, dem Edewecht alles zu verdanken hat!