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GRÜNE lehnen weiteren Putenstall in Osterscheps ab

Sonntag, 29. Mai 2011 von Uwe He-Wi

Die Edewechter Grünen lehnen eine weitere Putenmastanlage in Osterscheps ab. Die tierquälerische birgt auch Gesundheitsgefahren für den Menschen und schmälert die Lebensqualität

Die künftigen Nachbarn wehren sich

Die künftigen Nachbarn wehren sich

In Osterscheps am Poolweg soll eine weitere Massentierhaltungsanlage entstehen. 10000 weitere Putenhähne sollen hier bis zur Schlachtreife gemästet werden. Für die Grünen widerspricht die Haltung von Puten in industriellen Massentierställen einer allein schon aus ethischen Gründen zu fordernden artgerechten Tierhaltung. Gegen Ende der Mast können sich die Tiere oft nicht mehr umdrehen oder ohne Behinderung durch ihre Artgenossen hinlegen oder aufstehen. Das enge Beisammensein führt zu Verhaltensstörungen wie Federpicken und Kannibalismus, so dass häufig Verletzungen auftreten. Das Überleben der Tiere ist oft nur mit über das Futter und das Trinkwasser zugeführten Medikamente (u.a. Antibiotika) möglich.

 

In diesen Zusammenhang sei hier das Tierschutzgesetz in der Fassung vom 23. Mai 1998, zweiter Abschnitt, Tierhaltung, § 2 zitiert:

Wer ein Tier hält, betreut oder zu betreuen hat,
-muss das Tier seiner Art und seinen Bedürfnissen entsprechend angemessen ernähren, pflegen und verhaltensgerecht unterbringen;
-darf die Möglichkeit des Tieres zu artgemäßer Bewegung nicht so einschränken, dass ihm Schmerzen oder vermeidbare Leiden oder Schäden zugefügt werden;
-muss über die für eine angemessene Ernährung, Pflege und verhaltensgerechte Unterbringung des Tieres erforderliche Kenntnisse und Fähigkeiten verfügen.

Aber nicht nur die Tiere leiden unter diesen Haltungsbedingungen, „auch die Menschen, die in der Nachbarschaft einer solchen

Am Tor zum Stall wird das Idyll suggeriert

Am Tor zum Stall wird das Idyll suggeriert

Anlage wohnen, haben gesundheitliche Risiken zu tragen“, mahnt Uwe Heiderich-Willmer Fraktionssprecher der Grünen im Edewechter Rat. Denn der Betrieb von Massentierhaltungsanlagen emittiert mit der Stallluft rund um die Uhr krebserzeugende und Allergien verursachende Stoffe wie Stäube, Keime, Salmonellen, Schimmelpilze, Endotoxine, Ammoniak und antibiotikaresistente Bakterien. „Wer sich schon mal bei windigem Wetter in der Nähe einer solchen Anlage in der Abluftfahne eines solchen Betriebes aufgehalten hat, weiß wovon hier die Rede ist, dieser moderige Dunst hat nichts mehr mit gesunder Landluft zu tun,“ kritisiert Heiderich-Willmer. Die Lebensqualität der Nachbarn einer solchen Anlage hängt stark von der aktuell herrschenden Windrichtung ab.

Den Gemeinden, die eigentlich die Planungshoheit auf ihrem Gemeindegebiet haben wird in diesem Fall durch den § 35 des Baugesetzbuches das Ruder aus der Hand genommen. Vorhaben dieser Art sind

Putenstall in Osterscheps

in Osterscheps

demnach im Außenbereich privilegiert. Die Gemeinden können sich nur gegen Anlagen wie die hier geplante aussprechen, wenn städtebauliche Belange dem entgegenstehen. Das ist aber im Außenbereich seltenst der Fall. Die Gemeinden könnten lediglich durch aufwendige vorsorgende Flächenplanungen, wie im Zusammenhang mit der Zulassung von Windkraftanlagen in Edewecht geschehen, Vorranggebieten für Massentierställe ausweisen. Erst wenn diese Gebiete voll sind, wäre kein zwingender Anspruch auf weitere Tierhaltungsanlagen vorhanden und eine Ablehnung möglich. Ganz ausschließen kann man nach der aktuellen Rechtslage solche Anlagen nicht. Hier ist der Edewechter Rat gefordert eine regelnde Planung auf den Weg zu bringen. Die Edewechter Grünen werden darauf drängen, dass dies geschieht.

Aber auch der Landkreis als genehmigende Behörde ist hier gefragt: das 1996 vom Kreistag einmütig beschlossene RROP (Regionale Raumordnungsprogramm) sagt in seinen Leitlinien zur Landwirtschaft aus, dass die flächengebundene bäuerliche Landwirtschaft auf der Grundlage einer standortgerechten, ordnungsgemäßen Bodennutzung im Landkreis Ammerland im besonderen Maße zu schützen und zu fördern sei, dort heißt es wörtlich:
„Die flächengebundene bäuerliche Landwirtschaft, die wirtschaftlich effektiv und umweltgerecht produziert und eine artgerechte Nutztierhaltung betreibt, ist im Besonderen zu fördern. Sie hat Vorrang vor in anderer Form ausgeübter

In Sichweite des vorhandenen Stalls soll ein neuer Putenstall entstehen

In Sichweite des vorhandenen Stalls soll ein neuer Putenstall entstehen

Landwirtschaft.”
Um diesen selbst gesetzten Vorgaben gerecht zu werden, muss der Landkreis die Probleme und Gefahren, die von solch einer Anlage ausgehen streng überprüfen und den zweifellos vorhandenen Ermessensspielraum nutzen, damit keine weiteren industriellen Massentierhaltungsanlagen im Ammerland entstehen. “In enger Zusammenarbeit werden die Gemeinderatsfraktion und Kreistagsfraktion der Grünen weiter daran arbeiten, dass im Ammerland keine emsländisch-cloppenburgische Verhältnisse entstehen“, betont Heiderich-Willmer.

Nicht zuletzt können auch die Verbraucher/innen dazu beitragen die Massentierhaltung einzudämmen. Der bewusste Verzicht auf Fleisch und Eier, die unter solchen lebensverachtenten Bedingungen erzeugt werden, trägt dazu bei. „Auch wenn es etwas teurer ist, vielleicht nicht so oft, dafür dann aber aus artgerechter Tierhaltung erzeugtes Fleisch konsumieren, würde allen weiterhelfen und obendrein schmeckt es besser“, meint Heiderich-Willmer.

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3 Antworten zu “GRÜNE lehnen weiteren Putenstall in Osterscheps ab”

  1. Walter Röbber sagt:

    Liebe GRÜNE, keinen weiteren Putenstall in Osterscheps,(29.Mai. 2011)diese Worte wurden leider nur Monate alt.Eine STIMME für die Tiere. Für wieviel Silberlinge wurde ,diese STIMME den Tieren am Montag, dem06.02.2012 TOP 10 Neubau einer Putenmastanlage–den Tieren enthalten?

    Mit freundlichen Grüßen Walter Röbber Süddorferstr. 2

  2. Uwe He-Wi sagt:

    Eine zum Thema passende Presseerklärung der GRÜNEN Landtagsfraktion Niedersachsen vom 30.05.2011:

    GRÜNE fordern konkrete Gesetzesinitiativen zur Einschränkung des Bauprivilegs für Großställe

    Ministerpräsident McAllister „steht im Wort“

    Die Landtagsgrünen erwarten von der Landesregierung konkrete Gesetzesinitiativen gegen den Bau neuer Tierfabriken. Die Äußerungen des Niedersächsischen Ministerpräsidenten David McAllister, der sich für Einschränkungen des privilegierten Bauens für Mastfabriken im Außenbereich ausgesprochen hat, seien im Grundsatz zu begrüßen, sagte der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Christian Meyer heute (Montag) in Hannover. „Eine Hühnerfabrik mit hunderttausenden Tieren darf baurechtlich nicht wie ein Kuhstall mit fünf Kühen behandelt werden. Bislang hätten CDU und FDP im Landtag und Bundestag entsprechende Initiativen allerdings immer abgelehnt. „Jetzt steht der Ministerpräsident im Wort.“

    Angesichts der massiven Bürgerproteste und auch der Forderungen des Niedersächsischen Landkreistages nach besseren Steuerungsmöglichkeiten der Kommunen forderte der Grünen-Politiker ein vollständiges Ende der Privilegierung für Megaställe. Das Privileg könnte bei 30.000 Masthühnern, 15.000 Legehennen, 1500 Schweinen oder 600 Kühen enden, sagte Meyer. „Alles was darüber hinausgeht, muss wie ein industrieller Gewerbebetrieb behandelt werden.“ Das entspräche auch den aktuellen Schwellenwerten ab denen ein Genehmigungsverfahren nach dem Bundesimmissionsschutzgesetz erforderlich ist.

    Der Grünen-Politiker mahnte bei der Landesregierung „mehr Ehrgeiz beim Tierschutz“ an. Die Zeiträume im Tierschutzplan des Landes seien viel zu lang und wichtige Maßnahmen für mehr Tier-, Umwelt- und Verbraucherschutz wie eine Weideprämie für Kühe nach wie vor ausgeklammert.

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