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Viel Wind um den Bürgermeister

Samstag, 01. April 2000 von Uwe M.

Edewecht soll erhalten – späte Reue?

(mt) Seit langem wird davon berichtet: Heinz zu Jührden (79), CDU- in Edewecht, seit über 30 Jahren im Amt, will, dass sich im Ort wieder Windmühlenflügel drehen – so wie bis 1904 an der Straße „Im Vieh“. Durchaus ein beachtenswerter Vorschlag – wenn die Sache nicht doch ein paar Haken hätte …

So behauptete zu Jührden noch vor einigen Monaten, die Gemeinde hätte mit dem Mühlenbau hinsichtlich der Finanzierung nichts zu tun. Er persönlich würde sich um Sponsoren und Spender kümmern, und er habe auch bereits einige Zusagen.

Unklar blieb, in welchem Zeitraum sich der Bürgermeister die Verwirklichung seines Planes vorstellte. Sollte es doch zur 850-Jahr-Feier des Ortes sein? Spät ließ er die Katze aus dem Sack: Noch in diesem Jahr, auch im Zusammenhang mit den Feierlichkeiten, aber wohl nicht mehr rechtzeitig zur Festwoche soll Kokerwindmühle errichtet werden – ein Originalnachbau der Mühle, die damals in Edewecht stand und die nun im Museumsdorf in Cloppenburg zu besichtigen ist.

Von einer Finanzierung nur durch Spenden hingegen ist nicht mehr die Rede. Vielmehr soll jetzt die Gemeinde Edewecht als Bauherrin auftreten – und eine 50%-Förderung der Europäischen Union kassieren. Weitere 30% sollen sich Landkreis und Gemeinde teilen. Jede Menge öffentliche Gelder also für die Pläne des Bürgermeisters – lediglich die restlichen 20% stammen von Spendern.

Einen Standort? Nein, den gibt es für die Mühle noch nicht. Der historische Standort an der Straße „Im Vieh“ ist weder möglich noch sinnvoll. Irgendwo an der Hauptstraße wird sie bald stehen. Ob dafür noch Grunderwerb erfolgen muss, wie es mit der Bauleitplanung aussieht: das alles bleibt erst einmal im Dunkeln. Hauptsache, Edewecht bekommt eine Mühle.

Die Kosten? Nein, die stehen noch nicht fest. Ist ja auch alles so überraschend und kurzfristig. Also hat der Verwaltungsausschuss erst einmal beschlossen, diese Mühle auf jeden Fall zu bauen. Wann, wo und für wieviel Geld – ach, das sind doch keine wirklichen Fragen angesichts dieses hehren Zieles, Edewecht ein Stück seiner Geschichte wiederzugeben!

Ja, stimmt. Es ist der gleiche Bürgermeister, unter dessen Regie vor einigen Jahren der alte Bahnhof abgerissen wurde (dieses historische Gebäude, das jetzt auf dem Plakat zur 850-Jahr-Feier zu sehen ist – Wiederaufbau ungewiss). Der gleiche Bürgermeister, der für die Bebauung historisch einmaliger und unwiederbringlicher Eschflächen im Ort gesorgt hat. Der Bürgermeister, der das Ende vieler alter Bäume in Edewecht eingeläutet hat. Ja, auch derjenige, der den wirtschaftlichen Aufschwung nach Edewecht holte. Aber nicht Aufschwung um jeden Preis: moderne Windmühlen in Edewecht, nämlich Windenergieanlagen – die hätte er am liebsten verhindert.

Nun mögen manche meinen, Heinz zu Jührden sei von der Müllerei besessen und wolle sich deshalb mit der Kokerwindmühle ein Denkmal setzen. Schließlich hat er schon vor Jahren auch auf seinem Landsitz, dem Forsthof Diana („Ponderosa“) eine Mühle gebaut. Vielleicht ist es aber auch die späte Einsicht eines Politikers, dass man einem Dorf bei aller Modernität nicht seine historische Identität stehlen darf. Späte Reue eines Politikers also, der sich langsam auf seinen Rückzug aus der Politik vorbereitet? Finanziert jedenfalls aus einem EU-Programm, das sinnigerweise heißt: „Entwicklung typischer Landschaften ländlicher Räume“. Auch über die Mühle hinaus gäbe es genug Chancen, dafür etwas zu tun. Und die hätte es auch in der Vergangenheit gegeben.

Kritik an dieser schönen Mühle passt nicht in das harmonische Jubiläumsbild. So werden wir dem Weihrauch aus den Mündern von CDU und SPD bei der Mühleneinweihung lauschen – viel Wind um unseren Bürgermeister, dem Edewecht alles zu verdanken hat!

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