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2.000.000 Einwegplastikflaschen pro Stunde in Deutschland …

Samstag, 15. September 2018 von Uwe He-Wi

in Landschaft und Meer – was können WIR tun? – der GRÜNEN in Edewecht

Am 07.09.2018, ein Freitagabend, konnte der Fraktionsvorsitzende der GRÜNEN-Ratsfraktion Uwe Heiderich-Willmer im Namen der GRÜNEN-Ratsfraktion und des GRÜNEN-Ortsverband Edewecht zahlreiche Gäste der Diskussions- und Infoveranstaltung mit dem Thema „Auswirkungen von Plastikmüll in der Umwelt und Ansätze für die Anpassung  und Vermeidung im täglichen Gebrauch“ begrüßen. Den Edewechter GRÜNEN war es gelungen zu dem Thema, das inzwischen viele Menschen bewegt, namhafte Referenten, die sich wissenschaftlich, umweltpädagogisch und praktisch mit Plastikmüll beschäftigen, zu gewinnen.

MdB a.D. Peter Meilwald moderierte die Podiumsdiskussion. Foto U. Heiderich-Willmer

Für die Moderation der Veranstaltung stand der MdB a.D. Peter Meiwald zur  Verfügung, Peter Meiwald hat sich bereits während seiner Abgeordnetenzeit im Bundestag mit dem Thema beschäftigt. So hatte er z.B. im Jahr 2017  eine kleine Anfrage im Bundestag mit Fragen zum „Verpackungsmüllberg aus Coffee-to-go-Bechern“ gestellt.

Prof. Dr. Jörg-Olaf Wolff erläutert die Wege des Plastikmülls. Foto U. Heiderich-Willmer

Prof. Dr. Jörg-Olaf Wolff vom Institut für Chemie und Biologie des Meeres der Universität Oldenburg, konnte eindrucksvoll erläutern welche Wege die Unmengen an Plastikmüll nehmen, nachdem sie, nach meist recht kurzem Gebrauch, weggeworfen werden. Er berichtete davon, dass seit 1950 8300 Millionen Tonnen Kunststoffe produziert wurden, von denen bis 2015 6300 Millionen Tonnen zu Müll wurden. Das Plastik landet nach relativ kurzer Verwendung auf Deponien oder in der Umwelt (79 %), verbrannt wurde 12 %, lediglich 9 % konnte recycelt werden. Aber nicht nur Verpackungsmüll trägt seinen Anteil bei, auch Reifenabrieb, Textilfasern, in Kosmetika und Sandstrahltechnik, Folien aus der Landwirtschaft, Reste aus der Kunstoffproduktion etc. landen letztendlich im Meer und werden über die Nahrungskette zu uns auf den Tisch zurück transportiert. Augenzwinkernd schließt Wolff seinen Vortrag mit der Feststellung, dass Archäologen in ferner Zukunft wohl versteinerte Plastiktüten finden werden.

Dr. Barbara Scholz-Böttcher erklärt was mit dem Plastikmüll im Meer passiert. Foto: U. Heiderich-Willmer

Frau Dr. Barbara Scholz-Böttcher ebenfalls vom Institut für Chemie und Biologie des Meeres der Universität Oldenburg, zeigt zunächst die Geschichte der Kunststoffproduktion auf und betont dabei, dass Plastik nicht per se ein problematischer Stoff sei. Vielmehr ist Kunststoff ein wertvoller Werkstoff, der bei vielen Produkten Gewicht und damit Energiekosten spart. Problematisch werde Kunststoff, wenn er nur kurzzeitig genutzt werde, wie das klassischerweise bei Verpackungen der Fall ist, betont Scholz-Bötcher. Was langfristig mit dem Plastikabfällen im Meer passiert, beschreibt sie beeindruckend: Tiere strangulieren sich in Netzen und Seilen, Plastikteile landen in den Mägen von Fischen, Schildkröten und Walen, durch physikalische Prozesse entsteht Mikroplastik das mit dem Plankton interagiert, es reiht sich damit in die Nahrungskette ein. Durch Interaktion mit Chemikalien werden Additive ausgewaschen, welche sich wiederum unter das Plankton mischen, mit den Folgen wie oben beschrieben. Sie schließt ihren Vortrag mit der Feststellung, dass wir inzwischen erdgeschichtlich wohl im Plastikzeitalter angekommen sind.

Dr. Thomas Clemens präsentiert seine Strandfunde. Foto U. Heiderich-Willmer

Dr. Thomas Clemens, Ehrenvorsitzender des Mellumrat e.V., Varel-Dangast, öffnet für seinen Vortrag einen Koffer mit unzähligen Plastikmüllteilen. Effektvoll zeigt er die Unmengen unterschiedlicher Plastikmüllteile wie: Fischereinetzreste, Getränkeflaschen, Verpackungsreste, Kleidungsteile und Luftballonfetzen. Die Liste ließe sich unendlich fortsetzen. Clemens präsentiert diese Fundstücke in seiner umweltpädagogischen Arbeit um deutlich zu machen, was u.a. kleine Präsente bei Kindergeburtstagen, wie Luftballons, für Folgen haben können. Zur Arbeit des Mellumrates gehört auch Müll einzusammeln, so müssen die ehrenamtlichen Mitarbeiter*innen des Mellumrates regelmäßig ganze LKW-Ladungen mit Plastikmüll von den betreuten Inseln schaffen.

Stefan Last, Vertreter des lokalen Einzelhandels berichtet aus der Sicht eines Supermarktinhabers über Plastikverpackungen. Foto U. Heiderich-Willmer

Stefan Last als Vertreter des lokalen Einzelhandels, Vorstand des Aktivkreis Edewecht .e.V., geht in seinem Vortrag auf die praktische Seite des Umgangs mit Plastikmüll ein, die beim Einkauf beginnt. Er hat u.a. mit Vorschriften zu kämpfen, die bei den Verbraucher*innen Fragen und Kopfschütteln verursachen. So müssen beispielsweise Bioprodukte gekennzeichnet sein, was dazu führt, das gerade Bioobst- und Gemüse oft in Plastik verpackt wird. Allerdings gibt es im Handel auch starke Bestrebungen die Plastiknutzung zu reduzieren. In seinem Markt sind beispielsweise Plastiktüten komplett verbannt. Es gehöre inzwischen zum guten Ruf keine Plastiktüten mehr vorrätig zu haben, bemerkt Last in seinem Vortrag.

In der Frage „Was können WIR tun“, die das Motto der Veranstaltung überschrieb, waren sich alle Vortragenden einig, dass der gelbe Sack, in dem die Verpackungsabfälle der Verbraucher*innen gesammelt werden nicht die Lösung sein kann. Immer noch wird der größte Anteil verbrannt, weil durch die mangelnde Sortenkompatibilität beim Recyceln der Sortieraufwand zu groß ist. Das Schlüsselwort ist Vermeidung, bei den Verbraucher*innen, die bei der Auswahl der Produkte und im Verhalten Einfluss nehmen können, wie auch bei der Verpackungsindustrie, die verstärkt plastikfreie Materialien für kurzlebige Verpackungen entwickeln und anbieten müssen. Kaffebecher und Folien aus Maisstärke sind lobenswerte Beispiele dafür.

Die Edewechter GRÜNEN werden auf jeden Fall an diesem Thema dran bleiben und gemeinsam als Ratsfraktion und Ortsverband zielführende Initiativen entwickeln. Ein ausführliches Gedankenpapier zum Thema hat Torsten Albrecht bereits entworfen. Sie finden es hier.

 

 

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